Rede zum Urheberrecht

Folgende Rede habe ich auf der Stopp-ACTA Demo am 25.02.2012 in Mannheim gehalten.

Hallo Leute.
Ich bin Christophe von der Piratenpartei, ich werde in meiner Rede hier ein wenig über das Urheberrecht reden und was sich da ändern muss.

Ich fange mit einer kurzen Geschichte an.

Vor etwas über 100 Jahren, im Jahr 1906 reiste ein Mann namens John Philip Sousa vor den Amerikanischen Kongress, weil er mit der aufkommenden Tonträgerindustrie unzufrieden war. In seiner flammenden Rede sagte er über die ersten Geräte, die Ton abspielen konnten: „Diese Sprach-Maschinen werden die künstlerische Entwicklung in diesem Land ruinieren. Als ich ein Kind war, saßen abend im Sommer vor jedem Haus junge Leute zusammen und sangen die aktuellen oder die alten Lieder. Heutzutage hört man diese Höllenmaschinen Tag und Nacht.
Wir werden keine Stimmbänder mehr haben. Die Stimmbänder werden durch die Evolution verschwinden, wie auch der Schwanz des Affen verschwand, als er sich zum Mensch entwickelte.“

Zwar sind unsere Stimmbänder nicht verschwunden, aber tatsächlich wurden mit Plattenspieler, Fernsehen und Radio aus einer Kultur von allen für alle eine Kultur, wo eine kleine Elite für die große Masse produziert. Die Techniken Fernsehen und Radio ermöglichten uns nicht, teilzunehmen. Wir konnten nur zuschauen und vielleicht mal bei einer „eins live“ Hotline anrufen.

Mit dem Internet sind diese Zeiten vorbei. Alles, was wir in das Internet senden, kann potentiell von jedem Menschen auf der Welt empfangen werden! Wir haben unsere Stimmbänder wiedergefunden, und sie klingen lauter als je zuvor, in jede Ecke der Erde.

Wir kämpfen nicht nur gegen ACTA, sondern gegen jeden Versuch, uns diese Stimme wieder wegzunehmen. Wir müssen an vielen Stellen für unsere Rechte kämpfen.

Wir brauchen ein Recht auf Privatkopie. Wir wollen das Recht haben, das was uns gefällt mit anderen zu teilen. Wenn ich ein Lied toll finde, und das verteile, und auf der anderen Seite der Welt jemand deshalb das selbe Lied gut findet, rückt unsere Welt näher zusammen. Wer uns vorher Fremd war, ist jemand geworden, der etwas mit uns teilt. Und wenn es ein verdammtes Katzenvideo ist.

Wir brauchen ein Recht auf freien Zugang zu Information und Kultur. Die Möglichkeit, auf das Wissen der Welt zuzugreifen, hilft uns, Krankheiten zu bekämpfen. Um Menschen eine Perspektive zu geben, die nicht in der nächsten Stadt, ja vielleicht nichtmal in ihrem Land, eine Schule oder Universität haben.

Wir brauchen Gesetze, die nicht gegen, sondern für das Internet gemacht werden. Wir sind für eine bessere Zukunft. Für Freies Wissen. Für Freie Kultur.

Wir sind für das Recht, dass unsere Stimme von jedem auf der Welt gehört werden kann.

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Eine Antwort auf Rede zum Urheberrecht

  1. Daniel Koch sagt:

    Danke für diese Worte. Hier nochmal ein kurzes Review zum Mannheim-Protest: http://mannheimer-salon.de/?p=82

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